Handelszeiten an der Börse verstehen
Der Aktienmarkt heute folgt einem festen zeitlichen Raster. Ein Börsentag ist nicht einfach ein durchgehender Handel, sondern eine Abfolge unterschiedlicher Phasen mit jeweils eigenen Regeln. Dieser Artikel erklärt die zeitliche Struktur.
Phasen des Börsentags
Ein typischer Börsentag an einer deutschen Wertpapierbörse besteht aus mehreren aufeinanderfolgenden Phasen. Jede Phase hat eine spezifische Funktion und eigene Regeln für die Preisfindung. Die wichtigsten Phasen sind Vorhandel (Pre-Trading), Eröffnungsauktion, kontinuierlicher Handel, Schlussauktion und Nachhandel (Post-Trading).
Die genauen Zeiten variieren je nach Handelsplatz. Die folgende Darstellung bezieht sich auf die konzeptionelle Struktur, wie sie an elektronischen Handelssystemen wie Xetra üblich ist. Maßgeblich sind stets die offiziellen Verlautbarungen des jeweiligen Börsenbetreibers.
Die Eröffnungsauktion
Der eigentliche Handelstag beginnt mit einer Eröffnungsauktion. In dieser Phase können Marktteilnehmer Orders eingeben, ändern und löschen. Es finden jedoch noch keine Geschäfte statt. Stattdessen sammelt das System alle Aufträge, um den optimalen Eröffnungspreis zu berechnen.
Der Eröffnungspreis ist der Preis, bei dem das größte Handelsvolumen ausgeführt werden kann. Diese Auktion sorgt dafür, dass der Handelsstart geordnet erfolgt und ein fairer Ausgangskurs gefunden wird — insbesondere nachdem overnight Informationen eingeflossen sind.
Über Nacht können zahlreiche Ereignisse eintreten, die die Bewertung beeinflussen: Meldungen aus anderen Zeitzonen, volkswirtschaftliche Veröffentlichungen oder unerwartete Unternehmensnachrichten. Die Eröffnungsauktion bündelt diese Informationsflut und ermöglicht einen geordneten Markteinstieg, anstatt dass der erste kontinuierliche Kurs durch einzelne Orders verzerrt würde.
Bei einer Auktion wird der Preis so bestimmt, dass die maximale Anzahl an Aktien gehandelt werden kann. Alle Käufer, die zu diesem Preis oder darüber bieten, und alle Verkäufer, die zu diesem Preis oder darunter anbieten, werden ausgeführt. Der Preis maximiert also das Handelsvolumen.
Kontinuierlicher Handel
Nach der Eröffnungsauktion beginnt der kontinuierliche Handel. In dieser Phase werden Orders fortlaufend ausgeführt, sobald ein passendes Gegenangebot im Orderbuch vorliegt. Die Preisfindung erfolgt kontinuierlich durch das Zusammenführen von Kauf- und Verkaufsaufträgen.
Der kontinuierliche Handel macht den größten Teil des Börsentags aus. Hier entstehen die fortlaufenden Kurse, die in Nachrichten und Datenfeeds sichtbar werden. Unterbrochen wird er für die Schlussauktion am Ende des Handelstags.
Während des kontinuierlichen Handels sorgt eine Vielzahl von Market Makern dafür, dass für gängige Wertpapiere stets handelbare Preise gestellt werden. Dies bedeutet, dass zwischen dem höchsten Kaufgebot und dem niedrigsten Verkaufsgebot in der Regel nur eine geringe Spanne liegt. Bei weniger liquiden Werten kann der Spread jedoch breiter ausfallen, da hier seltener gegenseitige Orders aufeinandertreffen.
Die Schlussauktion
Am Ende des kontinuierlichen Handels findet eine Schlussauktion statt. Wie bei der Eröffnungsauktion werden alle Aufträge gesammelt und ein Preis ermittelt, der das maximale Handelsvolumen ermöglicht. Die Schlussauktion ist oft die handelsstärkste Phase des Tages, da viele Indizes und Finanzprodukte auf den Schlusskurs referenzieren.
Der Schlusskurs hat eine besondere Bedeutung: Er dient als Referenzwert für die Bewertung von Wertpapieren am Tagesende und fließt in zahlreiche Berechnungen ein, etwa in die Feststellung von Indexständen.
Zeitliche Übersicht
| Phase | Uhrzeit (MEZ/MESZ) | Aktivität |
|---|---|---|
| Vorhandel | 07:50 – 08:50 | Orders eingeben/ändern |
| Eröffnungsauktion | 08:50 – 09:00 | Preisfindung, dann Start |
| Kontinuierlicher Handel | 09:00 – 17:30 | Fortlaufende Ausführung |
| Schlussauktion | 17:30 – 17:35 | Tagesabschlusspreis |
| Nachhandel | 17:35 – 20:00 | Begrenzter Handel |
Die genauen Uhrzeiten können je nach Börsenplatz abweichen. Handelsplätze außerhalb Deutschlands haben zudem teilweise andere Zeiten, was bei internationalen Werten zu Verschiebungen führen kann.
Börsenfeiertage
An bestimmten Tagen bleibt die Börse geschlossen. Zu den regelmäßigen Börsenfeiertagen in Deutschland gehören unter anderem Neujahr, Karfreitag, Ostermontag, der 1. Mai, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, der Tag der Deutschen Einheit sowie die Weihnachtsfeiertage. An diesen Tagen findet kein Handel statt.
Auch am 24. und 31. Dezember ist der Handel oft verkürzt oder eingestellt. Die genauen Termine veröffentlicht der jeweilige Börsenbetreiber im Voraus.
Eine weitere Konsequenz unterschiedlicher Handelszeiten betrifft international notierte Werte. Wenn eine Aktie sowohl an einer deutschen als auch an einer US-amerikanischen Börse gelistet ist, kann es Zeiträume geben, in denen nur einer der beiden Handelsplätze aktiv ist. In diesen Fällen kann der Kurs an der jeweils geschlossenen Börse nicht fortlaufend aktualisiert werden. Beim Öffnen der nächsten Handelsphase können dann sogenannte Kurslücken (Gaps) entstehen, wenn sich der Wert an der anderen Börse verändert hat.