Börsenplätze im Überblick
Die Börse heute ist nicht ein einzelner Ort, sondern ein Netzwerk verschiedener Handelsplätze. Wer Aktien handeln möchte, kann dies über unterschiedliche Systeme tun. Dieser Artikel gibt einen konzeptionellen Überblick über die wichtigsten Handelsort-Typen in Deutschland.
Was ist ein Börsenplatz?
Ein Börsenplatz ist ein organisierter Handelsort, an dem Wertpapiere gehandelt werden. Historisch waren dies physische Gebäude — die Präsenzbörsen. Heute sind die meisten Handelsorte elektronische Systeme, die Kauf- und Verkaufsaufträge zusammenführen. Der Begriff „Börsenplatz" umfasst dabei sowohl regulierte Börsen als auch andere Handelssysteme.
Ein und dasselbe Wertpapier kann an mehreren Börsenplätzen gleichzeitig gehandelt werden. Die Kurse können zwischen den Plätzen leicht abweichen, da jedes System ein eigenes Orderbuch führt. Diese Unterschiede sind in der Regel gering, können aber bei illiquiden Werten oder außerhalb der Kernhandelszeiten deutlicher ausfallen.
Die Vielfalt der Handelsorte ist ein Ergebnis der europäischen Regulierung, die seit 2007 durch die MiFID-Richtlinien den Wettbewerb zwischen Handelsplätzen gefördert hat. Vorher dominierten die nationalen Präsidialbörsen; heute teilt sich das Handelsvolumen auf mehrere Systeme auf.
Regulierte Börsen
Regulierte Börsen sind staatlich anerkannte Handelsplätze mit strengen Zulassungs- und Transparenzanforderungen. In Deutschland ist die bekannteste Gruppe die Deutsche Börse AG mit ihren Handelssegmenten Xetra und Börse Frankfurt.
Xetra ist das elektronische Handelssystem der Deutschen Börse und der wichtigste Handelsplatz für deutsche Standardwerte. Die Börse Frankfurt bietet ergänzend einen Parketthandel mit Market-Makern an, der vor allem für kleinere Werte und spezialisierte Orders relevant ist.
Ein Market Maker ist ein Händler, der kontinuierlich verbindliche An- und Verkaufspreise für ein Wertpapier stellt. Dadurch sichert er die Handelbarkeit, auch wenn nicht immer ausreichend natürliche Käufer und Verkäufer vorhanden sind. An einigen Handelsplätzen sind Market Maker verpflichtend.
Multilaterale Handelssysteme (MTF)
Neben den regulierten Börsen gibt es multilaterale Handelssysteme, kurz MTF (Multilateral Trading Facilities). Diese sind ebenfalls organisierte Handelsorte, unterliegen aber weniger strengen Anforderungen als regulierte Börsen. Zu den bekannten MTFs im deutschen Markt zählen unter anderem Tradegate Exchange und gettex.
MTFs haben sich in den letzten Jahren etabliert, weil sie niedrigere Gebührenstrukturen und längere Handelszeiten anbieten können. Für Privatanleger sind sie heute ein gängiger Weg, um Wertpapiere zu handeln. Funktional unterscheiden sie sich von regulierten Börsen vor allem im Detail der Aufsicht und der Zulassungsvoraussetzungen.
Übersicht deutscher Handelsorte
| Handelsort | Typ | Besonderheit |
|---|---|---|
| Xetra | Regulierte Börse | Elektronisch, führend für Standardwerte |
| Börse Frankfurt | Regulierte Börse | Parkett mit Market Makern |
| Tradegate | MTF | Privatanleger-Fokus, lange Zeiten |
| gettex | MTF | Hohe Verfügbarkeit, kostenlose Orderannahme |
| Lang & Schwarz | MTF | Breites Wertpapierangebot |
Die genauen Eigenschaften können sich ändern. Maßgeblich sind die Informationen des jeweiligen Betreibers.
Unterschiede im Alltag
Für Anlegerinnen und Anleger äußern sich die Unterschiede zwischen den Handelsorten in der Praxis vor allem in folgenden Bereichen:
- Handelszeiten: MTFs haben oft längere Öffnungszeiten als regulierte Börsen.
- Spreads: Die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis kann je nach Platz variieren.
- Orderausführung: Die Art der Preisfindung kann unterschiedlich sein (fortlaufend vs. Auktion).
- Verfügbarkeit: Nicht jeder Wert ist an jedem Platz gleichermaßen liquid handelbar.
Welcher Handelsplatz für eine konkrete Transaktion tatsächlich genutzt wird, hängt von mehreren Faktoren ab — unter anderem von der depotführenden Bank, die die Order an einen bestimmten Platz weiterleitet. Viele Banken wählen den Ausführungsort automatisch auf Basis von Preis, Geschwindigkeit und Verfügbarkeit. Dieser Prozess wird als Best Execution bezeichnet und ist regulatorisch vorgegeben.
Regulierung und Aufsicht
Sämtliche genannten Handelsorte unterliegen der Aufsicht durch die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) sowie die zuständigen Landesbehörden. Die Deutsche Bundesbank begleitet die Überwachung ebenfalls. Ziel der Regulierung ist es, faire, transparente und geordnete Märkte zu sichern.
Auch auf europäischer Ebene gibt es Vorgaben, die den Handel mit Wertpapieren regeln — insbesondere die MiFID-II-Richtlinie. Sie legt Mindeststandards für Transparenz, Orderausführung und Meldepflichten fest. Ein zentrales Ziel dieser Regulierung ist der Anlegerschutz: Durch einheitliche Standards soll sichergestellt werden, dass Orders bestmöglich ausgeführt werden und dass Marktteilnehmer Zugang zu verlässlichen Preisinformationen haben.
Die regulatorischen Anforderungen unterscheiden sich zwischen regulierten Börsen und MTFs, auch wenn beide unter Beobachtung stehen. Diese Differenzierung ist Teil eines abgestuften Systems, das einerseits Innovation und Wettbewerb ermöglicht, andererseits aber die Integrität der Märkte sichert.