Wie ein Börsenindex berechnet wird
Ein Börsenindex ist eine Kennzahl, die die Entwicklung mehrerer Aktien zusammenfasst. Wer die Börse heute verfolgt, trifft unweigerlich auf Indizes wie DAX oder MDAX. Dieser Artikel erklärt, wie solche Indizes konstruiert werden.
Was ist ein Börsenindex?
Ein Index bündelt die Wertentwicklung ausgewählter Wertpapiere zu einer einzigen Zahl. Er hat die Aufgabe, die Stimmung oder Entwicklung eines Marktsegments messbar zu machen. Ein Index ist keine Anlage, sondern ein Maßstab — obwohl es Finanzprodukte gibt, die versuchen, einen Index nachzubilden. Diese Nachbildung ist nicht Gegenstand dieses Artikels, da wir uns auf die konzeptionelle Struktur von Indizes konzentrieren.
Jeder Index hat einen festgelegten Startzeitpunkt (Basisdatum) und einen festgelegten Startwert (Basiswert). Die laufenden Indexstände werden in Relation zu diesem Basiswert berechnet. Wenn der Basiswert 1.000 Punkte beträgt und der Index heute bei 16.000 steht, hat sich der Wert verzehnfacht — ausgehend von den enthaltenen Aktien zum Basisdatum.
Preisindex vs. Performanceindex
Es gibt zwei grundsätzliche Berechnungsmethoden, die stark unterschiedliche Werte liefern können:
- Preisindex: Nur die Aktienkurse der enthaltenen Unternehmen fließen ein. Dividenden werden nicht berücksichtigt.
- Performanceindex: Dividenden werden reinvestiert gedacht und fließen in die Berechnung ein. Der DAX ist beispielsweise ein Performanceindex.
Der Unterschied ist über längere Zeiträume erheblich, da Dividenden einen nennenswerten Teil der Gesamtrendite ausmachen können.
Reinvestitionsannahme
Beim Performanceindex wird unterstellt, dass Dividenden am Tag der Zahlung sofort wieder in die Aktien des Index reinvestiert werden. Diese Annahme führt dazu, dass der Performanceindex über der Zeit systematisch höher steigt als der entsprechende Preisindex, sofern die enthaltenen Unternehmen Dividenden ausschütten. Der DAX wird seit 2021 zusätzlich auch als Preisindex berechnet, um beide Perspektiven sichtbar zu machen.
Für internationale Vergleiche ist es wichtig zu wissen, welcher Indextyp verwendet wird. Ein Vergleich zwischen einem Preisindex und einem Performanceindex ohne Kenntnis der Methodik kann zu erheblichen Fehleinschätzungen führen.
Kapitalisierungsgewichtung
Die meisten modernen Indizes sind kapitalisierungsgewichtet (Market-Cap-Weighted). Das bedeutet: Unternehmen mit größerer Marktkapitalisierung haben einen stärkeren Einfluss auf den Index als kleinere. Die Gewichtung ergibt sich also nicht aus einer festen Quote, sondern aus der relativen Größe des Unternehmens im Markt.
| Unternehmen | Marktkap. (Mrd.) | Gewichtung |
|---|---|---|
| Unternehmen A | 250 | 41,7 % |
| Unternehmen B | 180 | 30,0 % |
| Unternehmen C | 100 | 16,7 % |
| Unternehmen D | 70 | 11,6 % |
| Summe | 600 | 100 % |
Free-Float-Anpassung
In der Praxis wird nicht die gesamte Marktkapitalisierung verwendet, sondern der sogenannte Free Float — der Anteil der Aktien, der tatsächlich frei an der Börse handelbar ist. Hält ein Großaktionär beispielsweise 60 % der Aktien, werden nur die restlichen 40 % für die Indexgewichtung berücksichtigt.
Diese Anpassung verhindert, dass ein Index von wenigen Großaktionären verzerrt wird. Sie stellt sicher, dass die Gewichtung den tatsächlich handelbaren Anteil eines Unternehmens widerspiegelt.
Der Free Float bezeichnet den Teil der Aktien, der nicht in festem Besitz von Großaktionären ist und daher im täglichen Handel zirkulieren kann. Je höher der Free Float, desto größer in der Regel die Handelbarkeit.
Beispielrechnung
Die Indexberechnung folgt beim Laspeyres-Verfahren einem festen Schema. Der Indexstand ergibt sich aus dem Verhältnis der aktuellen Marktkapitalisierung zur Basismarktkapitalisierung, multipliziert mit dem Basiswert:
Indexstand = (aktuelle Marktkap. / Basis-Marktkap.) × Basiswert
Mit einem Basiswert von 1.000 Punkten und einer aktuellen Marktkapitalisierung, die dreimal so hoch ist wie die Basis-Marktkapitalisierung, ergäbe sich ein Indexstand von 3.000 Punkten. Diese Rechnung ist konzeptioneller Natur und dient dem Verständnis, nicht der Nachbildung realer Indizes.
Bekannte deutsche Indizes
Die bekanntesten deutschen Aktienindizes werden von der Deutschen Börse AG berechnet und betreut. Sie decken verschiedene Marktsegmente ab und orientieren sich an der Größe der enthaltenen Unternehmen. Neben den Standardindizes gibt es auch Sektorindizes, die auf bestimmte Branchen fokussiert sind.
Die Zusammensetzung der Indizes wird regelmäßig überprüft. In der Regel finden Quartalsüberprüfungen statt, bei denen Unternehmen auf- oder absteigen können, wenn ihre Marktkapitalisierung die Kriterien eines anderen Index erfüllt. Diese Reviews stellen sicher, dass der Index seine Eigenschaft als repräsentativer Maßstab für ein Marktsegment beibehält.
| Index | Anzahl Werte | Segment |
|---|---|---|
| DAX | 40 | Large-Cap |
| MDAX | 50 | Mid-Cap |
| SDAX | 70 | Small-Cap |
| TecDAX | 30 | Technologie |