Marktkapitalisierung erklärt
Die Marktkapitalisierung ist eine der grundlegendsten Kennzahlen, wenn man Aktienkurse heute betrachtet. Sie gibt an, wie groß ein Unternehmen am Markt bewertet ist. Dieser Artikel erklärt das Konzept, seine Berechnung und seine Grenzen.
Was ist Marktkapitalisierung?
Die Marktkapitalisierung (auch Börsenwert oder Market Capitalization) ist der Gesamtwert aller ausgegebenen Aktien eines Unternehmens zu aktuellen Marktpreisen. Sie ist eine Größe, die angibt, wie der Markt das Unternehmen in seiner Gesamtheit bewertet.
Die Marktkapitalisierung ist nicht gleichbedeutend mit dem Eigenkapital oder dem Firmenwert eines Unternehmens. Sie ist vielmehr das, was der Markt bereit ist, für alle Aktien zu bezahlen. Der Wert kann stark schwanken, da er direkt vom aktuellen Aktienkurs abhängt.
Wie wird sie berechnet?
Die Grundformel ist simpel:
Marktkapitalisierung = Aktienkurs × Anzahl der ausgegebenen Aktien
Bei einem Unternehmen mit 50 Millionen ausgegebenen Aktien und einem aktuellen Kurs von 40,00 Euro ergibt sich eine Marktkapitalisierung von 2 Milliarden Euro.
| Unternehmen | Aktienkurs | Anzahl Aktien | Marktkap. |
|---|---|---|---|
| Unternehmen A | 40,00 | 50 Mio. | 2,00 Mrd. |
| Unternehmen B | 120,00 | 10 Mio. | 1,20 Mrd. |
| Unternehmen C | 8,50 | 500 Mio. | 4,25 Mrd. |
Dieses Beispiel verdeutlicht einen wichtigen Punkt: Der Aktienkurs allein sagt nichts über die Größe eines Unternehmens aus. Ein niedriger Kurs mit vielen Aktien kann eine höhere Marktkapitalisierung ergeben als ein hoher Kurs mit wenigen Aktien.
Größenklassen: Large-Cap, Mid-Cap, Small-Cap
Basierend auf der Marktkapitalisierung werden Unternehmen in Größenklassen eingeteilt. Diese Einteilung ist nicht gesetzlich fixiert, sondern hat sich als Konvention etabliert:
| Klasse | Marktkap. (ca.) | Charakteristik |
|---|---|---|
| Large-Cap | > 10 Mrd. | Große, etablierte Unternehmen |
| Mid-Cap | 2 – 10 Mrd. | Mittlere, wachsende Unternehmen |
| Small-Cap | 0,3 – 2 Mrd. | Kleinere, spezialisierte Werte |
| Micro-Cap | < 0,3 Mrd. | Sehr kleine Unternehmen |
Die Grenzen sind fließend und variieren je nach Quelle und Markt. In Deutschland spiegelt sich diese Einteilung grob in den Indizes DAX (Large-Cap), MDAX (Mid-Cap) und SDAX (Small-Cap) wider.
Eine hohe Marktkapitalisierung bedeutet nicht zwangsläufig ein „besseres" Unternehmen. Sie spiegelt lediglich die Marktbewertung wider. Small-Cap-Unternehmen können qualitativ hochwertig sein, und Large-Caps können an Wert verlieren. Die Größe ist eine von vielen Dimensionen.
Bedeutung für Indizes
Die Marktkapitalisierung ist die Basis für die Gewichtung der meisten Aktienindizes. Unternehmen mit größerer Marktkapitalisierung haben einen stärkeren Einfluss auf die Indexentwicklung — genauer erklärt im Artikel zur Indexberechnung. Hierbei wird meist der Free-Float-adjustierte Wert verwendet.
Grenzen der Aussagekraft
Die Marktkapitalisierung hat deutliche Grenzen als Kennzahl. Sie berücksichtigt weder Schulden noch liquide Mittel. Ein Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung und hohen Schulden kann wirtschaftlich schwächer sein als ein Unternehmen mit niedriger Marktkapitalisierung und soliden Bilanzen.
Eine ergänzende Kennzahl ist der Enterprise Value (Unternehmensgesamt eigentum), der die Marktkapitalisierung um Nettoverbindlichkeiten und weitere Faktoren ergänzt. Er liefert ein vollständigeres Bild der Gesamtbewertung eines Unternehmens, da er die Kapitalstruktur einbezieht. Die Marktkapitalisierung allein betrachtet nur die Eigenkapitalseite.
- Keine Berücksichtigung von Schulden: Der Enterprise Value liefert hier ein vollständigeres Bild.
- Kurzfristige Schwankungen: Da sie direkt vom Tageskurs abhängt, schwankt sie mit jeder Marktbewegung.
- Verzerrung durch Free Float: Die Marktkapitalisierung umfasst auch nicht frei handelbare Aktien.
Zusammenspiel mit Free Float
In der Praxis wird für Indexgewichtungen meist nicht die gesamte Marktkapitalisierung verwendet, sondern der Free-Float-Wert. Dieser berücksichtigt nur den Anteil der Aktien, der tatsächlich frei handelbar ist. Ein Unternehmen kann also eine große Marktkapitalisierung haben, aber nur einen geringen Free-Float — dann ist sein Einfluss auf kapitalisierungsgewichtete Indizes entsprechend geringer.
Diese Unterscheidung ist für das Verständnis von Indexbewegungen zentral. Wenn eine Aktie mit hohem Streubesitz fällt, hat sie einen anderen Effekt auf den Index als eine Aktie gleichen Gewichts mit niedrigem Streubesitz. Letztere ist in der Praxis für den Index weniger relevant, da ein großer Teil der Papiere nicht am Markt zirkuliert und daher die tatsächliche Handelbarkeit begrenzt ist.
Zusammenfassend lässt sich festhalten: Die Marktkapitalisierung ist eine nützliche, aber unvollständige Kennzahl. Sie gibt einen schnellen Eindruck von der relativen Größe eines Unternehmens im Markt, sollte aber stets im Kontext von Free Float, Verschuldung und gesamtwirtschaftlicher Bewertung betrachtet werden. Ihre Stärke liegt in der Einfachheit, ihre Grenze in der Einseitigkeit.