Kursbewegungen verständlich erklärt

Warum schwankt der Aktien kurs überhaupt? Die Antwort liegt in einem einfachen, aber mächtigen Prinzip: dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Dieser Artikel erklärt die Mechanik hinter Kursbewegungen.

Angebot und Nachfrage

Jeder Kurs an einer Börse entsteht dadurch, dass jemand eine Aktie verkaufen möchte (Angebot) und jemand anderes sie erwerben möchte (Nachfrage). Wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt, steigt der Preis. Überwiegt das Angebot, fällt der Preis. Dieses Prinzip ist nicht spezifisch für die Börse — es gilt auf jedem Markt.

Was es jedoch besonders macht, ist die Geschwindigkeit und Transparenz, mit der sich Angebot und Nachfrage verändern. Unternehmensmeldungen, volkswirtschaftliche Daten, Zinsentscheidungen und viele weitere Faktoren können innerhalb kürzester Zeit das Verhältnis von Käufern und Verkäufern verschieben.

Das Orderbuch

Das Orderbuch ist das Herzstück der Preisfindung. Es sammelt alle vorliegenden Kauf- und Verkaufsaufträge und ordnet sie nach Preis. Auf der Kaufseite (Bid) stehen die Preise, zu denen Marktteilnehmer zu erwerben bereit sind. Auf der Verkaufsseite (Ask) stehen die Preise, zu denen Verkäufer abgeben wollen.

Tabelle 1: Konzeptionelles Orderbuch (illustriative Werte)
Käufe (Bid) Menge Preis Menge Verkäufe (Ask)
Käufer 130052,00200Verkäufer 1
Käufer 250051,95400Verkäufer 2
Käufer 380051,90600Verkäufer 3
Käufer 41.20051,851.000Verkäufer 4

Ein Handel kommt zustande, wenn ein Käufer bereit ist, den Preis eines Verkäufers zu akzeptieren — oder umgekehrt. Der Preis, zu dem die letzte Transaktion stattfand, wird als aktueller Kurs veröffentlicht.

Bid-Ask-Spread

Die Differenz zwischen dem höchsten Kaufgebot (Bid) und dem niedrigsten Verkaufsgebot (Ask) wird als Spread bezeichnet. Der Spread ist ein wichtiges Maß für die Handelbarkeit einer Aktie.

Tabelle 2: Spread-Konzept (illustriativ)
Kennzahl Wert Bedeutung
Höchstes Bid52,00Bester Kaufpreis
Niedrigstes Ask52,05Bester Verkaufspreis
Spread0,05Preisdifferenz
Spread relativ0,10 %Anteil am Preis

Markttiefe und Liquidität

Die Markttiefe beschreibt, wie viele Aufträge auf verschiedenen Preisstufen im Orderbuch liegen. Eine tiefe Markttiefe bedeutet, dass auch größere Orders ausgeführt werden können, ohne den Kurs stark zu bewegen. Man spricht dann von hoher Liquidität.

Bei illiquiden Werten kann bereits eine mittlere Order zu spürbaren Kursveränderungen führen, weil nicht genügend Gegenseiten im Orderbuch vorhanden sind. Die Liquidität ist daher ein zentraler Faktor für die Kursstabilität.

Konzept: Liquidität

Liquidität bezeichnet die Leichtigkeit, mit der ein Wertpapier ohne große Preisveränderungen gehandelt werden kann. Hohe Liquidität bedeutet enge Spreads und tiefe Orderbücher. Geringe Liquidität führt zu größeren Spreads und stärkeren Preisausschlägen bei einzelnen Transaktionen.

Einflussfaktoren auf Kurse

Zahlreiche Faktoren können das Verhältnis von Angebot und Nachfrage verschieben. Diese Einflussfaktoren wirken selten isoliert, sondern überlagern sich. Ihre relative Bedeutung kann je nach Marktphase und Wertpapier erheblich variieren.

Zahlreiche Faktoren können das Verhältnis von Angebot und Nachfrage verschieben:

Slippage verstehen

Slippage bezeichnet die Differenz zwischen dem erwarteten Preis einer Order und dem tatsächlich realisierten Preis. Sie entsteht, wenn sich das Orderbuch zwischen Auftragserteilung und Ausführung verändert. Bei sehr liquiden Werten ist die Slippage in der Regel gering; bei illiquiden Werten kann sie erheblich sein.

Slippage ist kein Fehler des Systems, sondern eine natürliche Folge der fortlaufenden Preisfindung in einem dynamischen Markt. Ihre Kenntnis ist wichtig, um die Mechanik der Preisvolatilität vollständig zu verstehen.

Dynamik des Orderbuchs

Das Orderbuch ist nicht statisch. Neue Orders kommen hinzu, bestehende werden storniert oder modifiziert. Dieser ständige Wandel bedeutet, dass ein Kurs eine Momentaufnahme ist, die bereits Sekunden später überholt sein kann. Die Tiefe des Orderbuchs — also die Verfügbarkeit von Gegenseiten auf verschiedenen Preisstufen — bestimmt, wie viel Volumen gehandelt werden kann, ohne dass der Preis sich nennenswert verschiebt.

In Phasen hoher Marktaktivität wandelt sich das Orderbuch besonders schnell. Marktöffnungen, unmittelbar nach wichtigen Meldungen oder kurz vor Börsenschluss ist die Dynamik typischerweise am stärksten. Wer diese Phasen versteht, kann Kursschwankungen besser einordnen und zwischen strukturellen und temporären Bewegungen unterscheiden.